Dolpo Tulku Rinpoche im Dialog mit Michel Bollag und Bruder Jakobus Kaffanke

Br. Jakobus Kaffanke, Assistent Ourgan, Dolpo Tulku Rinpoche, Sr. Canisia

Der 5-tägige Aufenthalt von Dolpo Tulku Rinpoche und seinen Begleitern im Weltkloster stellte für uns alle ein besonderes Erlebnis dar. Mit dem jüdischen Theologen Michel Bollag vom Zürcher Lehrhaus teilten sie sich die regelmäßigen Mahlzeiten und praktizierten gemeinsam Gebet und Meditation, anschließend mit dem christlichen Mönch und Einsiedler Bruder Jakobus Kaffanke aus dem Kloster Beuron. Dialoggespräche über die jeweiligen Traditionen, Darlegungen theologischer und spiritueller Ansätze bildeten Versuche einer Annäherung auf unterschiedlichen Ebenen. Bruder Jakobus Kaffanke ermöglichte uns im Rahmen des Erfahrungs-Dialoges einen gemeinsamen Besuch bei den Mönchen P. Stephan Vorwerk OSB und P. Hugo Eymann OSB der Cella St. Benedict auf der Insel Reichenau sowie die Teilnahme an der Komplet.

Der gut besuchte Vortragsabend im Weltkloster und die gelungene Podiumsdiskussion im Milchwerk zum Thema Wo ist Gott, wo ist der Mensch? Unsere wahr Natur erkennen begeisterten Referenten, Veranstalter und das Publikum gleichermaßen.

Es wurden Fragen erörtert wie: Welche Definition von Gott existiert nach jüdischem  Verständnis, und welche Ansätze hierzu gibt es in der chassidischen und kabbalistischen Tradition? Wie wird das Göttliche in die Welt gebracht? Beschreibt es eine Gesetzmäßigkeit, die mit Teilen buddhistischer Vorstellungen kompatibel sein könnte?

Alexandra Mann (Moderation), Michel Bollag, Dolpo Tulku Rinpoche, Daniela Hartmann (Übersetzung)

Als verbindende Elemente wurden die starken Traditionen des Debattierens und Auslegens der Heiligen Schriften und Texte definiert. Auch gilt die innere Überzeugung als wichtigeres Kriterium als ein allein auf Glauben basierendes Verständnis. So sind die Schulung des Intellektes und die erforderliche Disziplin in beiden Religionen außerordentlich wichtig. Den Aspekt des Mitgefühls beschrieben die beiden Dialogpartner als sehr bedeutsam. Im Buddhismus ist er zentral, da der Wunsch existiert, alle fühlenden Wesen aus dem Bereich des Samsara zu führen. Mitgefühl gegenüber Feinden wird durch Meditationstechniken geübt. Gerade diese benötigen unser Verständnis, da sie u.a. von ihren destruktiven Emotionen und damit getrübten Wahrnehmungen verblendet sind.

Nach jüdischem Verständnis ist Gott selbst reines Mitgefühl. Da es die Aufgabe des Menschen ist, Gottes Attribute zu leben, bedeutet dies, ihm darin zu folgen. Dadurch befindet sich der Mensch im Zustand von Dwekut. Dieser Begriff beschreibt ein intimes Zusammensein mit Gott und stellt einen Zustand dar, in dem der Mensch stets bestrebt sein sollte zu verweilen. Dass vor diesem Hintergrund auch Achtsamkeit im Alltäglichen vonnöten ist, versteht sich von selbst und bildete eine interessante Überleitung zum buddhistischen Verständnis vom Bewussten Handeln in jedem Augenblick.

Sinn unserer Weltkloster-Dialog-Veranstaltungen ist genau diese Form des Austauschs, von der wir uns erhoffen, dass der Geist, welcher sich aus den immer wieder stattfindenden mehrtägigen Begegnungen zwischen Mönchen, Nonnen und authentisch Praktizierenden entsteht, auch im Außen spürbar wird.

Alexandra Mann