Rückblick: Veranstaltungen 2008

Messias-Vorstellungen im Judentum von der biblischen Zeit bis heute

Rabbi Dr. Tovia Ben Chorin

Vortrag von Rabbiner Dr. Tovia Ben-Chorin: Die Messias-Vorstellung kommt aus dem jüdisch-pharisäischen Glauben, hat Wurzeln noch in der hebräischen Bibel, wurde aber entwickelt von den Pharisäern und dann in den Jahrhunderten parallel der jüdischen Situation. Im Vortrag sollen die verschiedenen Vorstellungen von dem Messias als Erlöser, als Leidender, als ein idealer Herrscher für den jüdischen Staat, als der „Gekommene“ oder der, der „kommen-wird“, beschrieben werden. Ist Zionismus eine säkulare messianische Verwirklichung?

Zum Wirtschaftsethos im globalen Maßstab

Dr. Leopold Ziegler

Im November 2008 jährt sich zum 50. Mal der Todestag Leopold Zieglers, eines der letzten großen Universalgelehrten des 20. Jahrhunderts von europäischem Rang. Obwohl sein bedeutendes, heute zu Unrecht weitgehend vergessenes Werk in der Hauptsache um religionsphilosophische Fragen kreist, hat sich der lange Jahrzehnte in Überlingen lebende Philosoph und Vordenker der Ökumene gesellschaftlichen Problemstellungen nie versagt.

„In God We Trust“ – Urteile und Vorurteile über das Verhältnis von Religion und Politik in den USA

Spätestens seit dem Terroranschlag auf New York und Washington wächst die Distanz zwischen Old Europe und den USA, die kriegerischen Reaktionen bleiben uns fremd und unverständlich. Auch kulturelle Gegensätze werden deutlich. Dazu gehört die suspekte Rolle der Kirchen und Religionen in politischen Prozessen. Doch während unsere Gotteshäuser leer stehen, blüht in den USA das kirchliche Leben. Was verbirgt sich hinter solcher Religiosität, die Kriege unterstützt und die Todesstrafe befürwortet? Oder ist unser USA–Bild nicht doch von vielen Klischees geprägt? Wie stark sind Staat und Kirche wirklich miteinander verflochten?

Politik, Menschenrechte und Religion

Barbara Lochbihler

In dem Maße, wie sich unter dem Dach der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Globalisierung einerseits eine Weltgemeinschaft konstituiert, andererseits sich die globale Gesellschaft wiederum regional ausdifferenziert, wird ein Wertekonsens benötigt, der über Religionsgrenzen hinausgeht. Das neue Verhältnis von Politik, Menschenrechten und Religion nach dem 11. September steht im Mittelpunkt des Vortrags von Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International.

Abenteuer Menschlichkeit – Nach den Kriegen vor dem Frieden?

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Wo liegen die großen Herausforderungen für uns Europäer und Deutsche in einer Welt, in der wir immer weniger den Ton angeben? Worauf müssen wir unsere Euro-Arroganz hin reduzieren, um weiter am Frieden und der Wohlfahrt der Völker zu arbeiten? Wie können wir unseren Wohlstands-Kapitalismus so bezwingen, dass wir nicht mehr nur Unheilsbringer auf dem Globus sind? Das sind einige der Fragen, die Rupert Neudeck an diesem Abend ansprechen wird.

Das Neue Leben aus der Sprache

Gott ist Wort – so lesen wir im Johannesevangelium. Sprachphilosophisch ist dieser Satz eine poetische Metapher. Wenn Gott als die höchste Bedeutung existiert, während das menschliche Leben ein ständiges Streben nach der Erfüllung dieser Möglichkeit ist, spielt das metaphorische Wort zwischen Gott und Mensch die Rolle eines Vermittlers, der den Menschen die höchste Bedeutung zugänglich macht. Hier stellen wir die beträchtliche Rolle der metaphorischen Sprache fest. Wir betrachten diesen Vermittlungsvorgang am Beispiel einer religiösen Metapher aus dem Neuen Testament und lernen daraus, wie der metaphorische Vorgang zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf das menschliche Leben neu schafft.

Buddha Amitabha – Der Erwachte des Westens

Referenten Buddha Amitabha

Schon immer sind äußerliche und inhaltliche Ähnlichkeiten von Buddhismus und Christentum vermutet und beobachtet worden. So sind wohl christliche Geschichten wie die des „barmherzigen Vaters“ – die bei uns mehr als die Geschichte vom „verlorenen Sohn“ bekannt ist – in das buddhistische Lotossutra, oder umgekehrt die Vita des Gautama Siddharta in das Christliche, als die Heiligenlegende von Barlaam und Josaphat, eingewandert. In diesem Tagesseminar sollen einige dieser wechselseitigen Einflüsse vorgestellt und besprochen werden.

40 Jahre warten auf den Frieden – Leben zwischen den Mauern

Faten Mukarker

Eine palästinensische Christin berichtet vom Leben in einem geteilten Land: Der Weg zum Frieden ist angekündigt, aber er erscheint uns weiter denn je. Durch die Nachrichten, die uns aus Palästina erreichen, erfahren wir nichts über das Leben dort. Doch es gibt auf beiden Seiten der Mauer Menschen, die an einen gerechten Frieden glauben. Aber welche Hürden müssen im Alltagsleben überwunden werden, damit die beiden Völker endlich wieder zu einem Nebeneinander, vielleicht sogar Miteinander finden?

Hermann Hesse und die Suche nach dem Menschheitsethos

Prof. Karl-Josef Kuschel

Vortrag von Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel: Hermann Hesse hat in seinem unvergleichlichen Werk vieles von dem vorausgenommen, was viele Menschen heute anstreben: ein verknüpfendes Denken im Bewusstsein, dass die großen religiösen Traditionen der Menschheit geistig in eine Tiefe weisen, die verbindet, nicht spaltet, die versöhnt, nicht entfremdet.

Lesung: Juden-Christen-Muslime – Herkunft und Zukunft

Der interreligiöse Dialog sei keine „Saisonentscheidung“, sagte Papst Benedikt XVI. Von ihm hinge buchstäblich die Zukunft unserer Welt ab. Dialogfähigkeit aber gibt es nur durch vertieftes Kennenlernen der großen religiösen Traditionen. Juden, Christen und Muslime teilen durch ihre Heiligen Schriften ein Vermächtnis, das sie in eine einzigartige Beziehung zueinander setzt: die Überlieferungen um Adam und die Schöpfung, um Noah und die Sintflut, um Mose und die Befreiung aus Ägypten sowie um Jesus und Abraham als Zeichen Gottes für die Menschheit.

Vortragsreihe zum Judentum

Die Themen der drei Abende gelten den Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Schriftverständnis, im Beten und in den religiösen Festen der beiden sich nahe stehenden Religionen.