Buddha Amitabha – Der Erwachte des Westens

Schon immer sind äußerliche und inhaltliche Ähnlichkeiten von Buddhismus und Christentum vermutet und beobachtet worden. So sind wohl christliche Geschichten wie die des „barmherzigen Vaters“ – die bei uns mehr als die Geschichte vom „verlorenen Sohn“ bekannt ist – in das buddhistische Lotossutra, oder umgekehrt die Vita des Siddhartha Gautama in das Christliche, als die Heiligenlegende von Barlaam und Josaphat, eingewandert.

In diesem Tagesseminar sollen einige dieser wechselseitigen Einflüsse vorgestellt und besprochen werden. Insbesondere soll die ab dem 2. nachchristlichen Jahrhundert im Buddhismus auftretende Gestalt des Buddha Amitabha – „Buddha des unermesslichen Lichtes“, auf christliche Bezüge und Quellen untersucht werden. Viele Spuren auf den Seidenstraßen deuten darauf hin, dass sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus, als sich der Buddhismus in Asien ausbreitete, zugleich auch christliche Vorstellungen verbreitet haben.

Referenten

Referenten Buddha Amitabha

Norbert Deuchert, langjähriger Leiter des Museums „Villa Rot“ bei Ulm: 1996 wurden in Qingzhou, im Nordosten Chinas, über 400 frühbuddhistische Skulpturen, darunter auch eine monumentale Trias-Skulptur von Buddha Amitabha entdeckt. Der Fund wurde auch in Europa („Die Rückkehr des Buddha“) gezeigt. Der Referent besuchte den Fundort 2000, er versucht eine Einordnung der „Meisterwerke von Qingzhou“ vor dem Hintergrund des Kulturtransfers entlang der Seidenstraßen.

Dr. Jim Franklin, Musikwissenschaftler, Shakuhachi Meister, studierte zunächst Komposition und Musikwissenschaft in Australien, Deutschland und Holland. Während des Studiums begegnete er der Shakuhachi und wurde von ihr fasziniert. Nach dem Studium des Instruments in Australien bei Dr. Riley Lee und in Japan bei Furuya Teruo und Yokoyama Katsuya, erhielt er 1996 den Titel Shihan („Meister“) und somit die Lehr- und Konzertbefugnis von Yokoyama. Seit 2004 wohnt er in Lauf an der Pegnitz. Die Shakuhachi, die traditionelle Bambusflöte Japans, ist ein sehr einfaches Instrument: Sie besteht lediglich aus einem Stück Bambus mit fünf Grifflöchern und schräger Blaskante. In der Musik der Shakuhachi entsteht innerhalb dieser Einfachheit eine Lebendigkeit, die jedoch mit einer tiefen Stille gekoppelt ist. Dies entspricht der meditativen Kultur des Zen, in deren Rahmen die traditionellen Stücke für Shakuhachi, die so genannten Honkyoku, entstanden sind.

Bruder Jakobus Kaffanke, OSB, Benediktiner, Theologe: In der seit dem 7. Jahrhundert im Griechischen und seit dem 11. Jahrhundert im Lateinischen bekannten Heiligenlegende des indischen Königsohnes Josafat, der auf den Thron verzichtet und Asket wird, sind nach neuerer Forschung Elemente der Vita Gautama Siddhartas eingearbeitet. Die „Barlaam und Josafat“ Legende fand im Hochmittelalter in Europa eine große Verbreitung und wurde in alle europäischen Volkssprachen übersetzt. Bis 1935 befand sich der Hl. Josafat im Martyrologium Romanum der Katholischen Kirche Es werden aus verschiedenen Handschriften Illuminationen des Legendentextes „Barlaam und Josaphat“ vorgestellt und vor dem Hintergrund der einschlägigen Textpassagen gezeigt und ausgewertet. Dabei wird deutlich, dass sowohl im christlich-byzantinischen Osten wie auch im lateinischen Westen die Heiligenlegende eine weite Verbreitung gefunden hatte und es Wert schien, sie kostbar und aufwändig auszugestalten.

Detlef Witt, Indologe, Theologe, vertritt nach jahrelangen Forschungen die These, dass zwischen beiden Religionen ein wechselseitiger Einfluss bestand, ja dass der in Asien verehrte Buddha Amitabha (japanisch: Amida), der „Erwachte des Westens“, von der Gestalt Jesu beeinflusst sei.

Tagesablauf

09.00 Eintreffen: Tee / Kaffee

09.30 Begrüßung:  Christof Stadler und Bruder Jakobus Kaffanke

09.45 Musik: Dr. Jim Franklin, Shakuhachi Meister

10.00 Vortrag von Detlef Witt: Buddha Amitabha: Der Buddha des Westens, der Buddha des unermesslichen Lichtes, und das Lotossutra mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

11.00 Pause:  Tee / Kaffee

11.30 Vortrag von Norbert Deuchert: Der Kulturtransfer auf den Seidenstraßen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, insbesondere der Hortfund von Qingzhou, China (mit Bildbeispielen).

12.30 Mittagspause: Imbiss

14.00 Vortrag von Tobias Reiss und Bruder Jakobus Kaffanke: Die Heiligenlegende „Barlaam und Josafat“ – Textstellen, Ikonographie und Buchmalereien.

15.00 Vortrag und Musik von Dr. Jim Franklin, Shakuhachi Meister: Musik als Mittel der Spirituellen Übung

In verschiedenen religiösen Traditionen der Welt spielt Musik eine wichtige Rolle als spirituelle Übung: die Gregorianik bei der christlichen Kirche, das Spielen von Ragas bei der hinduistischen Religion. Im buddhistischen Bereich findet man bei japanischem Zen die Shakuhachi, die Bambusflöte,  deren Urstücke als Meditationsübung gedacht sind.

16.00 Pause: Tee / Kaffee

16.30 Offene Gesprächsrunde, moderiert von Christof Stadler und Bruder Jakobus Kaffanke: Christlicher und buddhistischer Weg — Fragen und Stellungnahmen

17.15 Verabschiedung: Christof Stadler und Bruder Jakobus Kaffanke

17.30 Ende

Ort

Seminarraum des Krankenhauses Radolfzell, Eingang an der Chirurgischen Ambulanz, Kneippstraße, 78315 Radolfzell.

Teilnahmebeitrag

45 €, einschließlich Getränke und Mittagessen in der Cafeteria des Krankenhauses.