Salafistische Szenen in Deutschland: Anziehungskraft, Rekrutierung und Akteure

Bei der aktuellen, gesellschaftspolitischen Debatte zur Gefahr durch radikal-salafistische Gruppierungen im Irak und Syrien möchten wir einen Blick auf die Hintergründe werfen, welche deren Zulauf auch in Deutschland begünstigen.

Die Bereitschaft einiger, nicht nur männlicher Jugendlicher, sich diesen radikalen Strömungen anzuschließen stößt oft auf völliges Unverständnis und lässt uns ratlos zurück. Als Begründung für eine Orientierung an fundamentalistischem und extremistischem Gedankengut ließe sich anmerken, dass diese aus einer tiefen Sehnsucht resultieren könnte, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und Stabilität sowie Vorbilder zu finden.

Im Grunde alles Aspekte, die schon seit jeher Menschen in die Arme radikal sektiererischer Gruppen laufen ließen, welche sich in verschiedenen Kulturen in mehr oder weniger stark ausgeprägter Form finden. Eine Koppelung an religiöse Vorstellungen wirkt hierbei als Verstärker egoistischer und menschenfeindlicher Ideologien.

Einseitige Interpretationen ursprünglich am Wohle des Menschen orientierter religiöser Gebote und Werte zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen erleben wir zur Zeit insbesondere innerhalb salfistischer Gruppierungen.

Claudia Dantschke, Arabistin und Extremismusexpertin vom Zentrum Demokratische Kultur GmbH, Berlin wird sich diesem Thema am heutigen Abend widmen.

Referentin

Claudia Dantschke studierte Arabistik an der Universität Leipzig und arbeitete von 1986 bis 1990 als Fremdsprachenredakteurin in der arabischen Redaktion der DDR-Nachrichtenagentur ADN.

Seit 1993 wirkt sie als freie Journalistin für die private deutsch-türkische Fernsehanstalt AYPA-TV in Berlin — ihre Themenschwerpunkte sind Migration, Islam und Islamismus.

Seit Dezember 2001 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH Berlin. Von 2002—2007 führte sie u.a. Kommunalstudien zur Erhebung und Begegnung demokratiegefährdender Phänomene (Islamismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus) in den Berliner Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte-Tiergarten-Wedding durch.

Von 2007 bis 2010 arbeitete Claudia Dantschke im Projekt „Familien stärken gegen Gewalt und Extremismus“ des ZDK, in dem Angehörige rechtsextrem oder islamistisch orientierter Jugendlicher betreut und beraten werden. Seit Juli 2010 leitet sie die „Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus“ (AStIU) in der ZDK GmbH und seit 2011 die Beratungsstelle “Hayat”, in der Angehörige sich salafistisch oder jihadistisch radikalisierender Jugendlicher betreut werden.

Claudia Dantschke wurde 2010 von der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union (HU) mit dem Ingeborg-Drewitz-Preis ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigte die HU ihren Beitrag für eine rationale Diskussion über Islam und Islamismus und ihr Engagement für eine demokratische Kultur.

Ort

Hausherren Schule Radolfzell, Luisenplatz 2, 78315 Radolfzell.

Kosten

Der Eintritt beträgt 6,00 Euro, Jugendliche frei.