Der Geist reißt Mauern nieder – Glaube wächst im Dialog

„Die Welt schrumpft zu einem globalen Dorf zusammen. Dies gilt auch für die Landschaft der Religionen. Sie rücken näher zueinander.“ Pater Sebastian ging in diesem Zusammenhang auch auf die Menschen ein, die derzeit nach Deutschland kommen und empfiehlt die Bereitschaft, im Inneren und im Handeln offen zu sein. „Wenn sich Menschen verschiedener Religionen mit Achtung und Respekt begegnen, gegenseitig über die unterschiedlichen Gebetsformen informieren und ihre Herzen öffnen für das große Mysterium, das alle eint, dann ist dieses Zeitalter eine Gnade.“ Und es erwächst in diesem interreligiösen Austausch zugleich die Stärkung und ein tieferes Verständnis des eigenen Glaubens.

Er betonte, dass sich das Göttliche in allen Kulturen und zu aller Zeit unterschiedlich gezeigt hätte und von den Menschen gelebt würde. „Jede Religion ist einmalig, speziell und kulturbedingt“, sagte er und verwies auf die Heilige Schrift und Jesus, der schon sagte, dass wir nicht urteilen sollen. So seien alle großen Religionen in ihrem Kern Friedensreligionen – sie haben nichts mit fundamentalistischen und extremistischen Strömungen zu tun. Auch der evangelische Pfarrer Beile, Pater Scherer und die buddhistischen Vertreterinnen Vajramala und Ani Jinpa verwiesen darauf, Menschen anderen Glaubens nicht abzuwerten. Wer ihnen mit Achtung und offenem Herzen begegne, könne die Ganzheit im ethischen Verständnis aller erkennen.

Pater Sebastian berichtete von seiner Heimat Indien, wo schon seit Jahrhunderten eine pluralistische Gesellschaft existiert. In dem von ihm geführten christlichen Ashram „Sameeksha“ sind alle Menschen zum interreligiösen Dialog geladen. Es gebe keine Kirche, sondern einen großen Raum mit offenen Türen und den Schriften der vier großen Religionen sowie einer Öllampe in der Mitte als Symbol für das Göttliche.

Auch im Weltkloster in Radolfzell sind Menschen aller Religionen und Atheisten eingeladen, sich ganz nach Wunsch in den regelmäßigen Angeboten, bei Veranstaltungen wie jener mit Pater Sebastian sowie in persönlichen Gesprächen mit diesen Themen auseinander zu setzen. Daraus lassen sich Antworten finden – auch für den Weg eines friedvollen Miteinanders.

Pater Sebastian Painadath S.J.

„Dialog ist die neue Art, Kirche zu sein“, sagte Papst Paul VI. während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dies war eine prophetische Aussage. Das zweite Jahrtausend ist durch Religionskriege und Konfessionskonflikte gekennzeichnet, und auch heute bahnen sich globale Auseinandersetzungen an, in deren Mittelpunkt ein falsches, einseitiges Verständnis von Religion zu  stehen scheint. Gerade in diesen Umbruchszeiten ist es wichtig zu verstehen, dass wir den Dialog brauchen, um auch die Intentionen unserer eigenen Herkunftsreligionen zu verstehen. Hierbei helfen uns die monastischen Traditionen; sie haben seit jeher besondere Wege der Innenschau und Versenkung kultiviert und bewahrt. Auf dieser Basis erkennen wir uns selbst, aber auch den Anderen. Dieses Grundprinzip des Miteinander-Seins kann man auch auf den interreligiösen Dialog anwenden. Durch Begegnung mit anderen Religionen vertieft sich der eigene Glaube sowie das Erfahren unseres eigenen inneren Wesens. Hiervon wird uns Pater Sebastian Painadath aus seiner vielfältigen Praxis im Bereich des Interreligiösen Dialogs berichten und an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben lassen.

Referent

Pater Sebastian Painadath, geboren 1942, ist indischer Jesuit und hat in Tübingen promoviert. Durch seinen Großvater, welcher dem Brahmanentum angehörte erwuchs in ihm schon früh das Interesse an anderen Glaubensvorstellungen und am interreligiösen Dialog. So  gründete er, inspiriert durch das Wirken des Benediktiners Bede Griffiths, 1987 in Kalady/Südindien den christlichen Ashram Sameeksha – Centre for Indian Spirituality, den er bis heute als Dialogzentrum leitet. Pater Sebastian Painadath steht mit seiner Person für eine lebendige Begegnung östlicher und westlicher Spiritualität und setzt sich verstärkt für den Dialog auf der Ebene der Erfahrung ein. Seit über 30 Jahren leitet er alljährlich Meditationskurse und Dialogseminare für missio in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ort

Weltkloster Radolfzell, Obertorstr. 10, 78315 Radolfzell.
Wegbeschreibung und Karte

Eintritt

Der Unkostenbeitrag beträgt 8 €, Ermäßigung auf Anfrage.