Tovia Ben Chorin: Das „Letzte Abendmahl“ und seine jüdischen Wurzeln

Wer hätte das gedacht? Ein jüdischer Rabbiner erörtert verschiedene Quellen aus dem Neuen Testament, bringt sie in Verbindung mit Traditionen zum Pessach-Fest und dem Sederabend und eröffnet damit Christen eine tiefere Dimension zum Bibeltext über „Das Letzte Abendmahl“. In dem Jesus beispielsweise den mittleren Teil des Mazzenbrotes nahm („Das ist mein Leib…“) und zum 4. Becher Wein sprach: „Das ist mein Blut…“, verband er die jüdischen Rituale mit der Deutung seiner Person als Mittler zwischen den Menschen und seinem Vater im Himmel.

Tovia Ben Chorin, der seit Jahrzehnten im interreligiösen und politischen Dialog engagiert und international renommiert ist, war es ein besonderes Anliegen, im Weltkloster in Radolfzell aufzuzeigen, wie sich die christliche aus der jüdischen Glaubensgeschichte entwickelt hat. Auch über den Einfluss auf die spätere Herausbildung islamischer Traditionen konnten die Zuhörer etwas erfahren. Das Ganze gepaart mit einem tiefgreifenden Wissen der Schriften und ihrer Auslegungen, einem freien Geist und seinem immer wieder auftauchenden Humor.

Die Teilnehmer im vollbesetzten Vortragsraum des WeltklosterS waren konzentriert dabei und griffen im Anschluss gerne die Gelegenheit zu Fragen auf. Den Benediktiner-Bruder Jakobus Kaffanke, Sr. Nicola aus Überlingen sowie Sr. Canisia und Sr. Thomas Morus vom Kloster Hegne sprach der Rabbi gleich zu Beginn an. Auch hier fand ein reger Austausch statt, der den Zuhörern weitere Aspekte verdeutlichte.

Ein intensiver Abend, der mit einer Einladung des Weltkloster-Teams zu ungesäuertem Mazzenbrot und Wein sowie der Möglichkeit zum freien Austausch untereinander endete. In den offenen Gesprächen hierbei zeigte sich, dass die Erläuterungen von Tovia Ben Chorin bei vielen etwas in Gang gesetzt hatten. Eine Teilnehmerin fasste es so zusammen: „Wenn wir – wie heute – mehr voneinander erfahren, dann sind wir in unseren Glaubensrichtungen letztlich gar nicht so weit voneinander entfernt.“

Rabbi Dr. Tovia Ben Chorin

An diesem Abend werden wir versuchen, das letzte Abendmahl im Rahmen der jüdischen Tradition kennenzulernen. Dieses Mahl von Jesus ist ein jüdischer Sederabend. Dazu werden wir Quellen aus dem Neuen Testament lesen:

Joh. 13,1, Luk. 22,7-20, Matth. 26,17-26, Mark. 14,12-30, 1. Korinth. 5,6-8.

Ein Austausch mit Ordensleuten der christlichen Tradition, u.a. Br. Jakobus Kaffanke OSB sowie mit dem Publikum schließt sich an. Zudem werden ungesäuertes Brot und Getränke gereicht.

Wer sich genauer vorbereiten möchte, dem sei das Buch “Bruder Jesus” (Der Nazarener in jüdischer Sicht), Seite 155-189 von Schalom Ben-Chorin empfohlen.

Rabbiner Tovia Ben Chorin

  • 1936 in Jerusalem geboren, verheiratet, 2 Söhne (und phantastische Schwiegertöchter), 5 wunderbare Enkel
  • 1960 B.A. an der Hebrew University of Jerusalem (Bibel and Jewish History)
  • 1964 am Hebrew Union College  Jewish Institute of Religion, Cincinnati (USA) zum Rabbiner ordiniert. Amtierte in Progressiven Gemeinden in den USA, Südafrika, England
  • 1981 – 1996 Rabbiner der von seinem Vater Schalom Ben-Chorin mit gegründeten Har El Gemeinde in Jerusalem
  • 1997 – 2007 Rabbiner der Gemeinde Or Chadash in Zürich
  • 2009 – 2015 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (liberaler Ritus)
  • 2011 – 2015 Trägervereinsmitglied des monotheistisch ausgerichteten Dialogprojektes “House of one”, Berlin
  • seit 2015 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde St. Gallen
  • Rabbiner Tovia Ben-Chorin hatte zweimal den Vorsitz des Israel Council of Progressive Rabbis inne, ist Dozent am Abraham Geiger Kolleg und engagiert sich im jüdisch-christlichen, israelisch-palästinensischen und deutsch-jüdischen Dialog.

Ort

Weltkloster Radolfzell, Obertorstr. 10, 78315 Radolfzell.
Wegbeschreibung und Karte

Anmeldung

wir bitten um zeitige Anmeldung über das Weltkloster-Büro.

Eintritt

Der Eintritt beträgt 10 €, Ermäßigung auf Anfrage.