Eine Rose als Zeichen setzen – 1938 und heute

Der Gedenktag beginnt um 8.00 Uhr vor Ort mit einem gemeinsamen jüdischen Morgensegen.

Der Trägerverein Weltkloster lädt die Bevölkerung ein, an der Gedenkstätte der ehemaligen Radolfzeller Kaserne am 9. und 10. November ein stilles und deutliches Zeichen gegen Gewalt an Menschen zu setzen und dort eine Blume niederzulegen. Zum einen im Gedenken an die Reichspogromnacht vor 75 Jahren, aber auch in Erinnerung an verfolgte Menschen in der Gegenwart, an die ertrunkenen Flüchtlinge vor Lampedusa oder die Opfer im syrischen Bürgerkrieg oder in Tibet.

Es ist eine Einladung, sich mit dem Mahnmal des Pforzheimer Künstlers René Dantes und den Texten auf den Stelen auseinanderzusetzen, weshalb bewusst auf Ansprachen an diesem Tag verzichtet werden sollen. Vielleicht gelingt es auch Schulklassen, in den Tagen davor oder danach diesen Ort aufzusuchen und Geschichte „hautnah“ nachzuspüren. Menschenwürdiges Handeln bleibt nicht auf die Vergangenheit beschränkt, sie ist ebenso in der Gegenwart erforderlich, hierzu kann ein Gedenken erinnern.

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938, der Reichspogromnacht, zeigte sich die menschenverachtende Ideologie der nationalsozialistischen Politik unmittelbar und für alle offensichtlich. Dabei wurden nicht nur die Geschäfte und jüdischen Einrichtungen zerstört, vielmehr wurde klar, was alle Andersdenkenden zu erwarten hatten.

Von Radolfzell als Standort der Waffen-SS-Verfügungstruppe rückten Einsatzkommandos aus, die die Synagogen in Konstanz, Wangen, Randegg und Gailingen sprengten oder in Brand setzten. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden in den Kellern der Rathäuser von Wangen und Gailingen gefoltert und gequält, bevor man sie anderntags ins KZ Dachau verbrachte. Diese Ereignisse müssen so furchtbar gewesen sein, dass z. B. der Radolfzeller Händler Alois Mayer, der am Obertor einen Fisch- und Feinkostladen betrieb und der zu jener Zeit gerade auf der Höri unterwegs war, umkehrte und zeitlebens von den Schmerzensschreien betroffen blieb.

Ort

Kaserne Radolfzell, Steißlingerstraße