Rückblick Mind and Life Conference

Nachdem ich die wunderbare Gelegenheit hatte, an der ersten Mind and Life Konferenz in Europa teilzunehmen, möchte ich hier gerne einige Eindrücke dieser Veranstaltung teilen. Eine übersichtliche, englische Zusammenfassung aller drei Konferenztage finden Sie auch im Mind and Life Blog.

Die Bedeutung innerer Werte für eine Neu-Orientierung innerhalb der Wirtschaft

Bei der Konferenz in Zürich widmeten sich Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen dem Thema Altruismus und Mitgefühl in Wirtschaftssystemen. Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise beschäftigen sich Ökonomen wie Prof. Ernst Fehr von der Universität Zürich immer häufiger mit neuen, von Werten wie Achtsamkeit und Mitgefühl geprägten ökonomischen Strukturen, die einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen und den Mitmenschen ermöglichen.

So sprach sich auch S.H. der Dalai Lama dafür aus, Mut zu fassen und auf andere zugehen zu lernen, wenn man Hilfe braucht. Er betonte wiederholt, dass alle Lebewesen den Beistand der Gemeinschaft benötigen, um sich weiter entwickeln zu können. Sobald ein Mensch versucht, nur alleine für sich Güter zu beanspruchen, ohne Rücksicht auf die Interessen der Gemeinschaft, kommt das soziale Gefüge sowie auch die Stabilität des Einzelnen ins Wanken. Der Andere ist die Basis für die eigene Zukunft, für die eigene, gesunde Weiterentwicklung – so entsteht Vertrauen.

Laut Antoinette Hunziger-Ebneter (CEO Forma Futura Invest AG, Zürich) suchen mittlerweile viele Investoren nach Möglichkeiten, in Projekte zu investieren, die immaterielle Zwecke verfolgen; dabei seien Netzwerke sowie der Mut, zu neuen Ufern aufzubrechen, zentral. Innovation und Wachstum gäbe es immer häufiger in nachhaltigen Projekten, welche Antworten auf die Probleme der Zeit böten und einen ganzheitlichen, integrierenden Blick ermöglichten.

Mutige Aufbrüche

It always seems impossible until it is done.

Nelson Mandela

Arthur Vaylloyan von der Credit Suisse gilt als Vorkämpfer für die Vergabe von Mikrokrediten. Er betonte, wie wichtig es sei, Bilder von einer menschlichen Ökonomie zu entwickeln und sie auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen realisieren zu helfen. Die u.a. von ihm geförderte „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch die Vergabe von Kleinstkrediten ist mittlerweile als Modell sehr erfolgreich und anerkannt.

Lord Richard Layard von der London School of Economics betonte, dass jeglichem ökonomischen Bestreben die Suche nach dem persönlichen Glück zugrunde liegt. Ein Wachstum in diesem Bereich sollte der kreativen Quelle menschlichen Vorstellungsvermögen entspringen. Dabei wäre ein auf Nachhaltigkeit ausgelegtes ökonomisches System besser als die vermeintliche Sicherung wirtschaftlicher Stabilität beispielsweise durch den Abbau von Arbeitsplätzen. Es bräuchte völlig neue Formen ökonomischer Strukturen. Mit seiner aktuellen Bewegung Movement for Happiness möchte er zur Erforschung beitragen, welche geistigen und ökonomischen Entwicklungsprozesse zu wahrem Glück führen. Das Anhäufen von Geld gehört erwiesenermaßen nicht dazu.

Dass Altruismus und Mitgefühl ganz wesentlich dazu beitragen, eine im Sinne der Gerechtigkeit kooperierende Gesellschaft zu fördern, darüber waren sich die Teilnehmer der unterschiedlichen Disziplinen einig. Die Hirnforschung bestätigt schon seit längerem, dass es eine besondere Fähigkeit des Menschen ist, Empathie entfalten zu können, was sich nachhaltig auf die Weiterentwicklung unserer Spezies auswirkt.

Als eine bedeutende Vertreterin dieser Disziplin beschrieb die Psychologin Prof. Dr. Tania Singer, wie durch die „Compassion Meditation“ eine Hirnregion (Interozeptiver Kortex) reguliert werden kann, in der Empathie empfunden wird.

In dieser Diskussion war es dem Dalai Lama wichtig zu betonen, dass es säkulare Wege braucht, um Werte wie diese zu transportieren. Täte man dies allein auf der Basis einzelner religiöser Traditionen, bekämen sie keinen universellen Charakter.

Standing Ovation gab es für Sanjit Bunker Roy und sein Barefoot-College Project. Aus tiefster innerer Überzeugung startete er 1972 diese Organisation, um den Menschen in einem kleinen Dorf in Indien zu zeigen, dass sie mit wenigen Mitteln selbstbewußt und autonom erfolgreiche Unternehmer werden können.

Als eine inspirierende Zugabe leitete schließlich der bekannte buddhistische Mönch Matthieu Ricard eine kleine Mediation an. Sie gab einen Vorgeschmack auf das, was der Buddhismus und mittlerweile auch viele andere kontemplative Traditionen an praktischen Zugängen zur Schulung der inneren Stabilität lehren. Das zufällige Treffen mit seiner Mutter Yahne le Toumelin später im Lindt & Sprüngli (man gönnt sich ja sonst nichts) war dann noch ein persönliches Highlight für mich.

Wunderbar, wie sich bei einer solchen Veranstaltung in Zürich so viele Fachleute verschiedenster Disziplinen treffen, um in dieser Zeit des Umbruchs zuversichtlich und voller Optimismus Lösungsansätze zu finden! Ihre Visionen, von innerer Überzeugung getragen, leisten einen unschätzbaren Beitrag für einen Aufbruch zu neuen Ufern und bestätigen den eingeschlagenen Kurs des interreligiösen, interkulturellen und interdisziplnären Dialogs im Weltkloster.