Das Herzensgebet nach Starez Seraphim vom Berge Athos

Wochenend-Seminar mit Sr. Anneliese Heine

Die bekannteste Form des Herzensgebetes ist das Jesus-Gebet. Es entstand bei den Wüstenvätern und Wüstenmüttern im heutigen Ägypten, wurde in der Mönchsrepublik auf dem Berg Athos in Griechenland weiterentwickelt und gelangte von dort über die russisch-orthodoxe Kirche zu uns.

Das Herzensgebet ist eine Form mantrischen Betens. Wir wiederholen nur ein Wort oder einen Satz. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Herzraum. Diese Form des Betens im Herzen kennen alle großen Religionen. Ihre Praxis stellt einen Weg zur Erfahrbarkeit Gottes dar. So gesehen legt das Herzensgebet eine Grundlage für eine große Ökumene.

Im ersten Jahrtausend war das Herzensgebet in der ganzen Christenheit zu Hause. Nach der Trennung in die Ost- und Westkirche (1050 n. Chr.) pflegte nur die Ostkirche / Orthodoxie weiterhin intensiv das Herzensgebet. Im Westen ging sowohl die Übung als auch das Wissen darum fast ganz verloren.

Im 20. Jahrhundert erfolgte eine Rückbesinnung auf das Herzensgebet, nicht zuletzt durch die 1974 erschienenen Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers, herausgegeben von Emmanuel Jungclaussen.

Zum einen brachte die orthodoxe Kirche das Herzensgebet in die Ökumene ein. Dies geschah auch durch die Vertreibung vieler orthodoxer Christen, besonders Priester und Mönche infolge der Oktoberrevolution in Russland 1917. Gleichzeitig pflegten Mönche auf dem Berg Athos seit über tausend Jahren diese Tradition, das innere Gebet, das zur inneren Ruhe führt, das Herzens- bzw. das Jesusgebet bis heute.

Zum anderen haben die Auseinandersetzungen mit und die Bereicherungen durch die östlichen Meditationswege zu einer Besinnung auf die christliche Tradition des Westens geführt. Dabei wurden die Grenzen des primär intellektuell ausgerichteten Christentums deutlich. Gott, der „Urgrund allen Lebens“, lässt sich letztlich nicht mit der Vernunft erfassen. Gott ist nur der eigenen Erfahrung zugänglich, und diese Erfahrungen bleiben ein Geschenk. Durch das regelmäßige Üben kann sich der Mensch dafür öffnen. Daneben bedarf es auch des intellektuellen Bewusstseins und der Reflexion. Übung, Erfahrung und Theorie gehören zusammen, und eben dies fehlte in beiden westlichen Kirchen mehr oder weniger.

Kursleitung

Sr. Anneliese Heine SSpS, Mainz

Jahrgang 1944, Mitglied der Ordensgemeinschaft der Steyler Missionarinnen, Studium der Theologie, Germanistik und Philosophie, Mehrjähriger Einsatz in Übersee (Papua-Neuguinea), Exerzitienarbeit, geistliche Begleitung, Seelsorge, Erwachsenenbildung, Enneagramm-Arbeit.

Programm

Samstag, 09.06.2012

10.00 – 11.30 Uhr: Einführung, Meditieren wie ein Berg
11.45 – 13.15 Uhr: Meditieren wie eine Mohnblume
13.15 – 14.15 Uhr: Mittagspause
14.15 – 15.45 Uhr: Meditieren wie der Ozean
16.00 – 17.30 Uhr: Meditieren wie ein Vogel
17.45 – 19.15 Uhr: Meditieren wie Abraham

Sonntag, 10.06.2012

10.00 – 11.30 Uhr: Meditieren wie Jesus
11.45 – 13.15 Uhr: Abschluss

Ort

Weltkloster Radolfzell, Obertorstraße 10, 78315 Radolfzell.
Wegbeschreibung und Karte

Kosten

Die Seminargebühr beträgt pro Person € 60,—.

Anmeldung

Um Anmeldung wird gebetet.