Auf spiritueller Suche oder zuhause in zwei Religionen?

Tagung zum 100. Geburtstag von Henri Le Saux / Swami Abhishiktananda

Prof. Dr. Bettina Bäumer (links). Fotos: Universität Salzburg

Das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Salzburg würdigte im Mai 2010 mit dieser Tagung den Benediktinermönch Swami Abhishiktananda. Sein Leben und Wirken ist deswegen so bedeutsam und noch immer gegenwärtig, da er als einer der ersten christlichen Mönche gilt, die sich auf der Ebene der spirituellen Erfahrung mit den Lehren einer anderen Religion auseinandersetzten. Zu jener Zeit ermöglichte der frische Geist des 2. Vatikanischen Konzils erstmals, sich inneren Dimensionen anderer religiöser Wege anzunähern, ohne damit gegen die katholisch-christliche Doktrin zu verstoßen.

Auf dieser Fach-Konferenz referierten seine Schülerin Prof. Dr. Bettina Bäumer und andere Experten wie Prof. Dr. Michael von Brück, Dr. Ursula Baatz, Bruder Josef Götz OSB und Dr. Christian Hackbarth-Johnson über die Lehren Abhishiktanandas. Sie teilten ihre Gedanken miteinander und diskutierten über die Impulse seiner Lehren für die Weiterentwicklung des christlichen Selbstverständnisses und des intermonastischen Austauschs.

Dr. Christian Hackbarth-Johnson vermittelte als erster Redner des Tages einen guten Eindruck von der grundsätzlichen Forderung des Benediktinermönchs nach einer neuen Erfahrung von Innerlichkeit, welche in den Upanishaden mit einer Erfahrung des wahren Selbst bzw. der All-Einheit beschrieben wird. Zum „Aufstieg in die Höhle des Herzens“ führte Le Saux sein mystischer Weg im Kontext zweier Religionen; er sah sich „gleichsam als Hindu, ohne es aufzugeben zu haben, Christ zu sein“, wie er es selbst formulierte. Damit wandte er sich zugleich gegen die Doktrin des christlichen Absolutheitsanspruchs, wie er bis zum 2. Vatikanischen Konzil vertreten wurde.

Einen Überblick über die seiner Philosophie zugrunde liegenden christlichen und hinduistischen Ansätze bot Prof. Dr. Bäumer, weltweit anerkannte christliche Theologin und Hinduismus-Expertin sowie Schülerin Abhishiktanandas.

Die ORF-Journalistin und Autorin Dr. Ursula Baatz begann ihren Vortrag mit einem Zitat Abhishiktanandas, das Berührungsängsten vorbeugen soll:

Echter Dialog wird niemals in Minimalismus oder leichtem Synkretismus enden. Keiner, der daran teilnimmt, wird dazu neigen, sich von seinen eigenen wahren Überzeugungen zu trennen.

Durch eine kontemplative Spiritualität wird vielmehr ein Dialog gefördert, der das Bedürfnis der Menschen nach Stille und Tiefenerfahrung beantwortet, ihre transzendente Sehnsucht stillt und über die oft nicht mehr verstandene christliche Sprache hinaus einen Zugang zur Erfahrung der Botschaft Christi vermittelt. Daraus entspann sich eine Diskussion nach einem Weg, Abhishiktanandas Ansatz in die heutige Zeit zu transferieren.

Einen jahrzehntelangen Beitrag zu einem Dialog auf der Erfahrungsebene beschrieb Bruder Josef Götz OSB aus St. Ottilien. Seit den 1970ern existiert dieser intensive Austausch zwischen deutschen und japanischen sowie koreanischen Klöstern. Weltweit fördert die Organisation DIMMID – ein eigenes Generalsekretariat des Vatikans – den Austausch zwischen christlichen, tibetisch-buddhistischen und Zen-Klöstern.

Eine der bedeutendsten, regelmäßig stattfindenden Begegnungen ist das Treffen von Gethsemani: Die Heimatabtei des Trappistenmönchs Thomas Merton, die Abbey of Gethsemani in Kentucky / USA, lud 1996 zum ersten Mal zu einem Treffen von Mönchen und Nonnen verschiedener Religionen ein. Unter anderen war auch der 14. Dalai Lama zu Gast. Dieser war ein enger Freund Thomas Mertons und betonte, dass es ihm besonders wichtig sei, in einem Kloster der anderen Religion zu begegnen: dort, wo er „ein Mönch unter Mönchen“ sein könne. Seitdem gilt die Form des Intermonastischen Austauschs als ein besonderer Zugang zur Verständigung zwischen den Religionen.

Bruder Josef Götz betonte, dass die monastischen Traditionen einen leichten Zugang zum interspirituellen Dialog böten. Dabei wollte Abhishiktananda etwas von der Dynamik der Gottsuche vermitteln und war nicht primär an der theologischen Systematisierung von religiöser Erfahrung interessiert. Götz sah Le Saux als Brückenbauer, der die fremde Religion zunächst auf sich wirken ließ, um daraufhin an eigene Erfahrungswerte anknüpfen zu können. Nicht zuletzt ginge es dabei auch um die Neuentdeckung eines nicht nur von der europäischen Tradition geprägten Christentums.

Literaturhinweis:

Henri Le Saux (Swami Abhishiktananda): Innere Erfahrung und Offenbarung. Theologische Aufsätze zur Begegnung von Hinduismus und Christentum. Salzburger Theologische Studien 23, Salzburg 2005.

Alexandra Mann M.A. Rel.Wiss.,

Vorsitzende Trägerverein Weltkloster